Nikotinverzicht ist ein unbequemes Thema. Obwohl Rauchen als ungesund gilt, fällt es vielen Menschen enorm schwer, damit aufzuhören. Manche empfinden es sogar als Eingriff in ihre Privatsphäre, wenn man sie zu sehr mit dem Aufhören bedrängt. Doch es gibt einige neue spannende Fakten, die vielleicht doch das letzte nötige Argument liefern, dem Glimmstängel adé zu sagen. Hören Sie im Podcast-Gespräch mit Prof. Christina Magnussen, was die Kardiologie zu Männern und Frauen, zur Lebenszeit und zur "Zigarettendosis" herausgefunden hat.
Bietet das Reduzieren von Zigaretten einen Herz-Schutz?
Forscher haben Daten von über 320.000 Menschen aus 22 Studien über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren ausgewertet. Sie wollten herausfinden, wie sich Rauchen auf das Risiko für Herzerkrankungen und Tod auswirkt – und vor allem, wie lange es dauert, bis ehemalige Raucher wieder ein ähnlich niedriges Risiko haben wie Nichtraucher.
Die drei wichtigsten Ergebnisse:
1. Raucherinnen haben ein besonders hohes Herzinfarktrisiko
Im Vergleich zu Menschen, die nie geraucht haben, hatten aktuelle Raucher und Raucherinnen ein:
- bis zu zweifach höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
- mehr als zweifach höheres Risiko, früher zu sterben
Bei Frauen sind diese Risiken besonders ausgeprägt. Sie haben zum Beispiel ein um 107 Prozent höheres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Männer "nur" ein um 74 Prozent höheres Risiko als Nie-Raucher.
2. Jede Zigarette zählt
Selbst sehr wenig Rauchen ist gefährlich. Menschen, die nur zwei bis fünf Zigaretten pro Tag rauchten, hatten bereits ein:
- 50 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- 60 Prozent höheres Risiko, früher zu sterben
Daher: Es gibt keine "sichere" Zigarettenmenge. Reduzieren ist zwar besser als nichts, aber kein Schutzschild - der für die Gesundheit wichtigste Schritt ist komplettes Aufhören.
3. Aufhören lohnt sich sofort
Die gute Nachricht: Nach dem Rauchstopp sinkt das Risiko sehr schnell. Der größte Nutzen zeigt sich in den ersten zehn Jahren nach dem Aufhören. Nach etwa 20 Jahren ist ein großer Teil des Risikos verschwunden: Ehemalige Raucher haben dann ein über 80 Prozent niedrigeres Risiko als aktive Raucher.
Und: Je früher man aufhört, desto besser lassen sich die Gesundheitsrisiken noch ausgleichen – selbst wenn man zuvor viel geraucht hat.
Quelle: Association between cigarette smoking status, intensity, and cessation duration with long-term incidence of nine cardiovascular and mortality outcomes: The Cross-Cohort Collaboration (CCC); PLOS medicine; November 2025;
https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1004561
Podcast als Video
Expertin
Professor Christina Magnussen ist Bereichsleiterin Herzinsuffizienz am Herz- und Gefäßzentrum Hamburg, Klinik für Kardiologie, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
2024 hat sie den August Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis der Deutschen Stiftung für Herzforschung erhalten.
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