Wichtige Informationen der Kinderherzstiftung

Herz-OP: Können die Metalldrähte am Brustbein mit zunehmendem Alter zu Problemen führen?

Metalldrähte am Brustbein

Hat Ihr Kind bei einer Herz-OP Metalldrähte zum Verschluss des Brustkorbes eingesetzt bekommen? Oder tragen Sie selbst Metalldrähte von einer Herz-OP am Brustbein in sich? Dann fragen Sie sich evtl., ob die Drähte später zu Problemen führen können und es deshalb auf Dauer besser ist, die Drähte zu entfernen. Die Antwort darauf gibt der Kinderherzspezialist Prof. Dr. med. Felix Berger vom Wis­sen­schaft­li­chen Beirat der Herzstiftung.

Während bei jüngeren Kindern am Ende einer Herz-OP der Brustkorb häufig mit festem Nahtmaterial verschlossen wird, werden dafür sowohl bei älteren Kindern als auch bei Erwachsenen und auch häufig bei Reoperationen typischerweise Drähte aus chirurgischem Edelstahl verwendet.

Tipp: Mit dem Kind ganz normal umgehen

In beiden Fällen ist das Brustbein damit bereits unmittelbar nach dem Eingriff wieder stabil. Das knöcherne Brustbein kann optimal zusammenwachsen und das frisch operierte Herz ist auch in dieser frühen Heilungsphase gut vor äußeren Einwirkungen auf den Brustkorb geschützt.

Auf diese Weise kann man als Mutter oder Vater selbst in den ersten Wochen nach der OP nichts falsch oder kaputt machen, wenn man sein Kind z. B. normal hochhebt, auf den Schoß setzt oder auf den Arm nimmt, was verständlicherweise eine häufige Frage nach einer entsprechenden Herz-OP ist.

Spätestens nach vier bis sechs Wochen ist der Brustkorb dann in aller Regel wieder fest zusammengewachsen, zumal das Knochengewebe gerade im Kindesalter erfahrungsgemäß sehr gut und schnell heilt.

Metalldrähte für immer im Körper belassen?

Normalerweise verursachen die Metalldrähte nach einer Herz-OP keine Probleme, weshalb die Drähte üblicherweise lebenslang im Körper verbleiben und auch im höheren Alter nicht entfernt werden müssen. Sowohl Abstoßungsreaktionen als auch Allergien sind aufgrund der verwendeten Materialien nicht zu erwarten.

Wenn die Drähte doch mal zu Beschwerden führen ...

In seltenen Fällen kann es an den Stellen des Brustbeins, an denen sich die Metalldrähte befinden, zu einem unangenehmen Gefühl kommen. Sollte es sich dabei um stärkere und dauerhafte Beschwerden handeln, die zu deutlichen Beeinträchtigungen des normalen Lebens führen, sollte man sich an seine behandelnde Ärztin oder seinen behandelnden Arzt wenden. Zusammen lässt sich dann überlegen, ob die Drähte eventuell in einer kurzen OP herausgenommen werden sollten. Zwar handelt es sich bei solchen OPs üblicherweise nur um einen relativ kleinen Eingriff, dessen Dauer meist nur ca. 15 Minuten liegt, den man aber wegen der üblichen OP-Risiken wie z. B. Narkoserisiken nur durchführt, wenn er unbedingt erforderlich ist.

Sind MRT-Untersuchungen wegen der Metalldrähte verboten?

Die Metalldrähte bestehen aus chirurgischem Edelstahl und können bei einer MRT-Untersuchung zwar in der Tat lokale Artefakte auf den MRT-Bildern erzeugen, allerdings stellen die Drähte keine Gefahr dar, wie dies bei manch anderen Metallgegenständen im Körper (z. B. bei bestimmten Granatsplittern) der Fall sein kann, die dann aufgrund des Magnetfelds möglicherweise im Körper umherwandern. Lediglich die Bildqualität ist bei den Metalldrähten am Brustbein in einem begrenzten Bereich etwas eingeschränkt, was für Ärzte die Auswertung der MRT-Bilder ein bisschen erschweren kann.

Lösen Metalldrähte bei Kontrollen am Flughafen Alarm aus?

Immer wieder taucht die Frage auf, ob bei Kontrollen am Flughafen die Metalldetektoren Alarm geben, wenn ein Mensch nach einer Herz-OP Metalldrähte im Bereich des Brustbeins hat. Die Masse der Metalldrähte reicht jedoch nicht aus, um den Detektor-Alarm zu aktivieren. D. h. man kann unbesorgt die Kontrollen passieren. Sollten die Detektoren dennoch Alarm geben, sind erfahrungsgemäß meist der Hosenknopf oder andere metallische Gegenstände schuld.

TippWeitere wichtige Informationen worauf es nach und auch vor einer Herz-OP bei Kindern ankommt, erläutert Prof. Dr. med. Felix Berger in dem umfangreichen Interview „Herz-OP bei Kindern - Was müssen Eltern vor und nach dem Eingriff beachten?“ (aus der Zeitschrift HERZBLATT), das Sie sich als Mitglied der Herzstiftung » hier kostenfrei herunterladen können.

Beantwortet wird darin u. a.:

  • Wie soll man sich als Mutter oder Vater verhalten, wenn das Kind nach einer Herz-OP aus der Narkose aufwacht?
  • Wird mein Kind nach der OP Schmerzen haben?
  • Wann darf das Kind wegen der OP-Wunde wieder normal gewaschen werden?
  • Wann dürfen Kinder nach einer Herz-OP wieder körperlich belastet werden?
  • Wie sieht es nach der OP mit Essen und Trinken aus?
Prof. Dr. med. Felix Berger

Autor: Prof. Dr. med. Felix Berger ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie des Deutschen Herzzentrums Berlin sowie Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Kardiologie am Otto Heubner Centrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Charité Campus Virchow Klinikum in Berlin. Durch die enge Kooperation mit dem durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz für Angeborene Herzfehler kann ein effektiver Wissenstransfer und eine bessere Versorgung der Patienten mit angeborenen Herzfehlern erreicht werden.

(Redaktion: ebe/US)

Kai Rüenbrink,
Leiter der Kinderherzstiftung

22. November 2017

Herzblatt

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