Wir unterscheiden fünf verschiedene Gruppen von Sportarten:

Gruppe 1:

hohe dynamische und hohe statische Belastung:
Abfahrtsskilauf, Boxen, Eisschnelllauf, Fechten, Ringen, Rudern, Rennradfahren

Gruppe 2:

hohe dynamische und geringe statische Belastung:
Ballsportarten (Fußball, Volleyball, Handball, Hockey, Tennis, Basketball, Badminton), Laufen (kein Sprint), Radfahren, Tanzen, Schwimmen, Skilanglauf, Skaten, Tischtennis

Gruppe 3:

hohe statische und geringe dynamische Belastung:
Bogenschießen, Bodybuilding, Geräteturnen, Gewichtheben, Reiten (Galopp und Dressur), Segeln, Surfen, Skispringen, Tauchen, Wasserski

Gruppe 4:

geringe dynamische und geringe statische Belastung:
Wandern, Golfen, Kegeln, Bowling, Billard, Schießen, Eisschießen (Curling), gegebenenfalls Gymnastik mit geringer Intensität

Gruppe 5:

Klassifikation nicht möglich:
Turnen, Gymnastik, Ballett.
Bei diesen Sportarten stehen Koordination und Flexibilität im Vordergrund.
Je intensiver trainiert wird, umso höher ist jedoch die statische Belastung.

Herzfehler und Sport

Wir zeigen anhand einiger Herzfehler, welche Sportarten im Einzelfall möglich sind. Bitte beachten Sie unbedingt den Abschnitt „besondere Risiken” am Ende der Seite! Die folgenden Empfehlungen dienen einer allgemeinen Orientierung. Im Einzelfall ist eine individuelle Abklärung beim Kinderkardiologen unabdingbar.

Einfach auf die Herzfehler klicken, der entsprechende Inhalt klappt dann in einem Kasten auf. Ein nochmaliger Klick schließt den Kasten wieder.

Inhalt:

Öffnung bzw. Öffnungen in der Kammerscheidewand, die normalerweise die rechte von der linken Herzkammer trennt. Durch dieses Loch fließt Blut aus der linken Herzkammer in die rechte. Dadurch wird der Blutstrom zu den Lungen verstärkt und das Herz muss mehr arbeiten, als es sollte.

Schematische Darstellung eines Ventrikelseptumdefektes

Keine Beschränkung:

  • bei kleinem VSD
  • oder wenn bei einem großen VSD nach der Operation folgende Befunde vorliegen:
    • kleiner Restdefekt
    • Rückbildung der vergrößerten linken Herzkammer
    • gute Funktion der linken Herzkammer
    • kein Lungenhochdruck
    • unauffälliges 24 h-EKG
    • normale Belastungsuntersuchungen

Beschränkung:

  • wenn der systolische Druck in der rechten Herzkammer zwischen 1/3 und 1/2 des systolischen Blutdrucks liegt, sind die Sportarten der Gruppe 4 möglich;
  • in der Gruppe 2 und 5 sollen die Sportarten nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitbeschäftigung betrieben werden

kein Sport:

  • wenn der Druck in der rechten Herzkammer größer ist als die Hälfte des systolischen Blutdrucks
  • bei belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen

Keine Beschränkung unter folgenden Voraussetzungen:

  • keine Beschwerden
  • normale rechte Herzkammer
  • Ruhegradient kleiner als 40mmHg
  • unauffälliges 24 h-EKG
  • normale Belastungsuntersuchungen

Beschränkung:

  • wenn der Gradient 40-60mmHg beträgt, ist Sport in den Gruppen 2, 4 und 5 möglich
  • wenn der Gradient mehr als 60mmHg beträgt, ist Sport in der Gruppe 4 möglich;
  • in der Gruppe 2 und 5 nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitbeschäftigung

kein Sport:

  • bei belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen

Defekt (Loch) in der Scheidewand, die normalerweise die beiden Vorhöfe voneinander trennt. Ein Teil des roten Blutes aus der linken Seite des Herzens fließt durch ein Loch in die rechte Seite. Das erhöht die Blutmenge, die durch die Lungen fließt, und schädigt über Jahre hinweg allmählich den Herzmuskel.

Schematische Darstellung eines Vorhofscheidewanddefektes

Keine Beschränkung unter folgenden Voraussetzungen:

  • kleiner Vorhofscheidewanddefekt (ASD)
  • bei großem Vorhofscheidewanddefekt:
    • vor der Operation:
      - keine Widerstandserhöhung der Lungengefäßbahn
    • nach der Operation:
      - Rückbildung der vergrößerten rechten Herzkammer
      - keine Widerstandserhöhung der Lungengefäßbahn
      - unauffälliges 24 h-EKG
      - normale Belastungsuntersuchungen

Beschränkung:

  • wenn der systolische Druck in der rechten Herzkammer zwischen 1/3 und 1/2 des systolischen Blutdrucks liegt, sind die Sportarten der Gruppe 4 möglich;
  • in der Gruppe 2 und 5 sollen die Sportarten nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitbeschäftigung betrieben werden

kein Sport:

  • bei belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen

Keine Beschränkung unter folgenden Voraussetzungen:

  • geringfügige Reststenosen unter 20mmHg
  • normale linke Herzkammer
  • normales Blutdruckverhalten
  • keine bedeutsame Undichtigkeit der Aortenklappe (Aorteninsuffizienz)
  • unauffälliges 24 h-EKG
  • normale Belastungsuntersuchungen

Beschränkung:

  • wenn der Gradient zwischen 20-55mmHg liegt und keine Zeichen für eine Mangeldurchblutung des Herzmuskels oder andere Beschwerden vorliegen, ist Sport in den Gruppen 2, 4 und 5 möglich. Jedes Jahr sollten Belastungsuntersuchungen wiederholt werden
  • keine Teilnahme an Wettkämpfen, wenn der Gradient über 50mmHg liegt oder Zeichen für eine Mangeldurchblutung des Herzmuskels vorliegen, Sport sollte nur als lockere Freizeitbeschäftigung betrieben werden

kein Sport:

  • bei belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen bzw. bei Blutdruckabfall unter Belastung.

Sport ist möglich in den Gruppen 2, 4 und 5 unter folgenden Voraussetzungen:

  • unauffälliges 24 h-EKG
  • normale Belastungsuntersuchungen
  • Druck in der rechten Herzkammer unter 40mmHg
  • keine bedeutsame Undichtigkeit der Pulmonalklappe (Pulmonalklappeninsuffizienz)
  • kein oder nur geringer Restshunt (VSD)

Sport aus der Gruppe 2, 4 oder 5 nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitbeschäftigung:

  • wenn der systolische Druck in der rechten Herzkammer höher ist als der halbe systolische Blutdruck,
  • wenn eine erhebliche Undichtigkeit der Pulmonalklappe besteht (Pulmonalklappeninsuffizienz)

kein Sport:

  • bei belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen

Gruppe 2, 4 und 5 nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitbeschäftigung unter folgenden Voraussetzungen:

  • gute Funktion der Herzkammer
  • nur eine geringe Undichtigkeit der Klappe zwischen dem Vorhof und der Herzkammer (geringe AV-Klappeninsuffizienz)

kein Sport:

  • bei eingeschränkter Funktion der Herzkammer
  • bei Undichtigkeit der Klappe zwischen dem Vorhof und der Herzkammer (AV-Klappeninsuffizienz)
  • bei Herzrhythmusstörungen

Besonderes Risiko:

  • kein Tauchen (Herzzeitvolumen)

Keine Beschränkung unter folgenden Voraussetzungen:

  • keine Beschwerden
  • keine Pulmonalverengung
  • keine Aortenverengung
  • normale Belastungs- und Funktionsuntersuchungen

Beschränkung:

  • wenn eine Pulmonal- oder Aortenstenose vorliegt, gelten die Beschränkungen für die Pulmonal- oder Aortenstenose

Kein Sport

  • bei belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen

Keine Beschränkung bei Vermeidung hoher statischer Belastung (Gruppe2, 4 und 5):

  • keine relevante Undichtigkeit der Klappen zwischen Vorhof und Kammer
  • normale Funktion der Systemkammer (rechte Kammer)
  • normale Belastungsuntersuchungen

Keine Beschränkung, aber Vermeidung hoher statischer Belastung unter folgenden Voraussetzungen:

  • Restgradient kleiner als 20 mmHg
  • keine Vergrößerung der linken Herzkammer
  • normaler Blutdruck in Ruhe und unter Belastung
  • normale Belastungsuntersuchungen

Sport in den Gruppen 2, 4 und 5 ist möglich unter folgenden Voraussetzungen:

  • normale Belastungsuntersuchungen
  • Restgradient größer als 20 mmHg, aber kleiner als 60 mmHg
  • systolischer Blutdruck unter Belastung größer als 230 mmHg
  • vergrößerte linke Herzkammer
  • Sport in der Gruppe 4 ist möglich, in der Gruppe 2 und 5 nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitbeschäftigung, wenn der Restgradient größer als 60 mmHg ist.

Besonderes Risiko

  • kein Turmspringen (wegen der Gefahr, dass die Aorta einreißt)

Normalerweise schließt sich der Ductus Arteriosus kurz nach der Geburt. Bei Säuglingen mit einem persistierenden ( = offenen) Ductus Arteriosus bleibt er offen, so dass das Blut aus der Aorta in die Lungen fließen kann. Das erhöht die Blutmenge, die durch die Lungen fließt und das Herz muss mehr arbeiten, als es sollte.

Schematische Darstellung eines Persistierenden Ductus Arteriosus

Keine Beschränkung unter folgenden Voraussetzungen:

  • kleiner PDA: Teilnahme an jeglichem Sport ist möglich.
  • großer PDA: nach Verschluss durch Katheter oder Operation sind die Kinder und Jugendlichen körperlich uneingeschränkt belastbar. Sechs Monate nach dem Eingriff sind sie in der Regel als herzgesund zu betrachten.

Beschränkung

  • wenn der systolische Druck in der rechten Herzkammer zwischen 1/3 und 1/2 des systolischen Blutdrucks liegt, sind die Sportarten der Gruppe 4 möglich. In der Gruppe 2 und 5 sollten die Sportarten nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitbeschäftigung betrieben werden.

kein Sport

  • wenn der Blutdruck in der rechten Herzkammer größer ist, als die Hälfte des systolischen Blutdrucks.

Sport in der Gruppe 2, 4 und 5 ist möglich:

  • wenn die vergrößerte Herzkammer sich zurückgebildet hat,
  • wenn der Widerstand in der Lungengefäßbahn nicht erhöht ist,
  • wenn keine wesentliche Undichtigkeit der Klappe zwischen Vorhof und Kammer besteht,
  • wenn das 24-Stunden-EKG unauffällig ist,
  • wenn die Belastungsuntersuchungen normal sind.

Sport in der Gruppe 4 ist uneingeschränkt möglich. In der Gruppe 2 und 5 sollten die Sportarten nicht als Wettkampf, sondern nur als lockere Freizeitschäftigung betrieben werden:

  • wenn die Klappen zwischen Vorhof und Kammer hämodynamisch wirksam undicht sind,
  • wenn die linke Herzkammer aufgeweitet ist.

kein Sport

  • wenn der Druck in der rechten Herzkammer größer ist als die Hälfte des systolischen Blutdrucks
  • bei belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen

Besondere Risiken

Auf folgende besondere Risiken soll im Einzelnen noch aufmerksam gemacht werden:

  • Fontan-Patienten:
    kein Tauchen (Herzzeitvolumen)
  • künstliche Herzklappen:
    keine Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko
    (wegen der Gefahr von Blutungen)
  • Herzschrittmacherträger:
    keine Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko
    (wegen der Gefährdung des Schrittmachers)
  • Patienten mit kurzen Bewusstlosigkeiten (Synkopen):
    kein Klettern, Radrennen, Schwimmen (Unfälle)
  • Undichtigkeit der Aortenklappe (Aorteninsuffizienz):
    kein Turmspringen (Druckerhöhung)
  • Aortenisthmusstenose:
    kein Turmspringen (Gefahr eines Risses der Aorta)
  • Schwerer arterieller Hochdruck:
    keine schweren statischen Belastungen

Literaturhinweis

  • HERZBLATT 3/2003:
    Körperliche Belastbarkeit und Sport bei herzoperierten Kindern
    Dr. med Anoosh Esmaeili, Prof. Dr. med. Roland Hofstetter, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Kinderheilkunde II, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main
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