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Experten-Interview mit Prof. Dr. med. Felix Berger

OP bei Kindern: Dürfen Eltern ihr Kind mit in den OP begleiten?

Abbildung Kind im OP

Bei vielen angeborenen Herzfehlern ist bereits in den ersten Lebensmonaten ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Oft handelt es sich um mehrstündige OPs, die für Mütter und Väter eine extrem belastende Zeit des Wartens bedeuten. Welche Ratschläge es für Eltern in dieser nervenzehrenden Situation gibt und ob es z. B. sinnvoll ist, sein Kind in den OP zu begleiten, beantwortet der Kinderkardiologe Prof. Dr. med. Felix Berger vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

Herr Prof. Berger, dürfen Eltern ihr Kind bei einem Eingriff am Herz in den OP-Bereich begleiten?

Prof. Dr. med. Felix Berger: Ob ein Elternteil mit in den OP-Bereich darf, ist von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich geregelt. In den meisten Kliniken ist es möglich, dass die Mutter oder der Vater bis zum Einschlafen des Kindes, also bis zum Verabreichen der Narkosemedikamente, mit in den OP-Bereich gehen kann. Um Keimeinschleppungen zu vermeiden, ist die Begleitung der Eltern entweder auf die Schleuse begrenzt oder die Eltern müssen genauso wie die OP-Mitarbeiter die zumeist grüne oder blaue OP-Kleidung anziehen, die man vom dortigen OP-Pflegepersonal erhält.
Ab dem Zeitpunkt der Übergabe wird das Kind von erfahrenen OP-Mitarbeitern betreut, die im Umgang mit Kleinkindern und Babys geschult sind und sich dementsprechend auf das Kind mit seinen Ängsten einstellen können.

Ist es überhaupt zu empfehlen, dass Eltern ihr Kind in den OP-Bereich begleiten?

Prof. Berger: Ob es sinnvoll ist als Mutter oder Vater mit in den OP zu gehen, lässt sich nicht pauschal beantworten. In manchen Fällen kann dies eine Hilfe für das Kind und die Eltern sein, damit es sich in der ungewohnten OP-Umgebung nicht verlassen fühlt. Oft bringt die Anwesenheit der Eltern jedoch keinen eindeutigen Vorteil, da die Beruhigungsmittel, die viele Kinder standardmäßig vor dem Eingriff erhalten, in aller Regel für eine gute Abschirmung gegen äußere Reize sorgen, sodass die Kinder sowieso nur wenig von den Vorbereitungen um sich herum mitbekommen. Zudem wird die Zeit vom Eintreffen des Kindes im OP-Bereich bis zum Beginn der Narkose so kurz wie möglich gehalten. Eltern sollten sich daher nicht unter Druck gesetzt fühlen, dem Kind zuliebe auf jeden Fall mit in den OP zu müssen, wenn sie eigentlich gar nicht mit hineingehen wollen und die OP-Atmosphäre als große Belastung empfinden. Man sollte immer bedenken, dass der OP-Bereich auch bei Eltern Unbehagen und Ängste auslösen kann, die sich möglicherweise dann auch negativ auf das Kind übertragen. Am besten man bespricht diesen Punkt vorher mit den jeweils behandelnden Ärzten, die eine individuelle Einschätzung der jeweiligen Situation vornehmen können, um für das Kind und die Eltern die bestmögliche Lösung zu finden.

Das Warten während der Operation stellt für Eltern naturgemäß eine große psychische Belastung dar. Wie kann man sich als Mutter oder Vater auf diese Situation im Voraus am besten einstellen?

Prof. Berger: Die Zeit während der Operation ist für Eltern verständlicherweise oft extrem belastend. Man macht sich Sorgen, leidet in Gedanken mit dem Kind. Ängste und Ohnmachtsgefühle kommen auf. Und nicht selten fließen dann auch bei den Eltern Tränen, wenn das Kind am Eingang zum Operationsbereich für die Dauer des Eingriffs verabschiedet wird.
Um die Belastungen des Wartens so gut wie möglich zu verarbeiten, kann es empfehlenswert sein, sich bereits im Vorfeld mit dem Thema auseinander zu setzen. Erfahrungsgemäß ist es eine große Hilfe, wenn man die Sorgen nicht in sich hineinfrisst, sondern möglichst darüber spricht, z. B. mit Freunden oder auch mit den behandelnden Ärzten, die dann auch besser auf die jeweilige Situation eingehen können.

„Oberstes Ziel ist es dem Kind mit dem Eingriff ein normales Leben zu ermöglichen“

Zudem sollte man – auch wenn es schwer fällt – sich immer wieder bewusst machen, dass der Eingriff durchgeführt wird, um dem Kind zu helfen und gefährliche gesundheitliche Schäden aufgrund des Herzfehlers abzuwenden. Oberstes Ziel ist es dem Kind mit dem Eingriff ein normales Leben zu ermöglichen oder zumindest für deutliche Verbesserungen zu sorgen, was sich heutzutage dank moderner Behandlungsmethoden meist erreichen lässt, während noch vor wenigen Jahrzehnten bei vielen angeborenen Herzfehlern keine adäquaten Therapien zur Verfügung standen. Sich diese Erfolgsaussichten bewusst zu machen, ist eine wichtige Hilfe, um mit dieser schwierigen Situation besser umgehen zu können.

Welche Ratschläge gibt es, um sich das Warten während der OP so erträglich wie möglich zu gestalten?

Prof. Berger: Sehr wichtig ist aus meiner Sicht die Empfehlung, sich während des Eingriffs nicht vor die Automatiktür des Operationsbereichs zu setzen. Denn bei jedem Öffnen der Tür würde man hochschrecken und sich vergewissern wollen, ob vielleicht schon das eigene Kind herausgebracht wird. Das kostet unheimlich viel Kraft, die man als Mutter oder Vater in dieser belastenden Lebenssituation an anderer Stelle besser gebrauchen kann.

Auch wenn man verständlicherweise das Bedürfnis hat, seinem Kind während der OP so nah wie möglich sein zu wollen, ist es besser, sich während des Eingriffs einen Ort abseits des OP-Bereichs zu suchen. Die räumliche Nähe steht in diesem Zusammenhang nicht im Vordergrund, in dieser Situation ist die emotionale Nähe und Verbundenheit wichtig.
Um dennoch rechtzeitig über das erfolgreiche OP-Ende informiert zu werden, kann man sich ein Handy einstecken oder auch einfach nach Absprache mit dem Pflegepersonal zu vorher vereinbarten Zeiten auf Station vorbeischauen oder anrufen.

„Der Anblick des Kindes kann für Eltern anfangs beunruhigend sein“

Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich bereits in den Tagen vor der OP zu überlegen, was einem persönlich während des anstrengenden Wartens gut tun könnte und mit welchen Dingen sich in dieser Zeit vielleicht auch etwas Kraft für die nächsten Aufgaben sammeln lässt. Wer z. B. gerne liest, kann sich dafür im Voraus ein Buch zurechtlegen oder eine Zeitung besorgen, womit man sich dann in eine ruhige Klinik-Ecke oder auch außerhalb des Klinik-Bereichs zurückzieht. Je nachdem ob Geschwister vorhanden sind, auf die man während des Wartens aufpassen muss, ist auch ein Spaziergang im nahe gelegenen Park oder der Besuch eines Spielplatzes eine gute Option. Hilfreich kann es auch sein, sich auf Station zu anderen Eltern zu setzen, die ebenfalls ein herzkrankes Kind haben und ähnliche Erfahrungen vielleicht schon hinter sich haben.

Wann dürfen Eltern nach der OP wieder zu ihrem Kind?

Prof. Berger: Bei größeren Herzoperationen, wie sie ja bei angeborenen Herzfehlern oft notwendig sind, kommen die Kinder direkt nach dem Eingriff meist standardmäßig erst einmal für einige Zeit auf die Intensivstation, wo sie optimal versorgt werden können. In Abhängigkeit von den Besuchszeiten der jeweiligen Intensivstation darf man dort dann als Mutter oder Vater schon bald nach dem OP-Ende wieder zu seinem Kind.

Abbildung Mutter hält Hand ihres Kindes

Auch auf der Intensivstation
ist der Kontakt zum Kind wichtig.

Hilfreich ist es, wenn man sich dabei vorab darauf einstellt, dass das Kind je nach Operation zu diesem Zeitpunkt noch mit einigen Schläuchen und Kabeln verbunden sein wird. Der Anblick des Kindes kann daher für Eltern anfangs noch etwas beunruhigend sein, wobei man sich immer bewusst machen sollte, dass die Maßnahmen ausschließlich dem Wohle des Kindes dienen und z. B. eine lückenlose Überwachung wichtiger Kreislaufparameter ermöglichen, was für das Kind ein äußerst hohes Maß an Sicherheit bedeutet, wie dies in früheren Zeiten nicht möglich war. Erfahrungsgemäß gewöhnen sich Eltern dann allerdings auch meist relativ schnell an die etwas spezielle Atmosphäre im Intensivbereich, die übrigens aber auch meist von viel Herzlichkeit und Einfühlungsvermögen von Seiten des speziell ausgebildeten Intensiv-Pflegepersonals geprägt ist.

Hinweis: Den dritten Teil der Interview-Serie "Herz-OP bei Kindern" können Sie in der nächsten Print-Ausgabe von HERZBLATT lesen. Beantwortet wird darin u. a.:

  • Worauf ist beim Waschen des Kindes nach der OP im Bereich der Wunde zu achten?
  • Wie soll man sich gegenüber seinem Kind nach dem Aufwachen aus der Narkose verhalten?
  • Wird mein Kind nach dem Eingriff Schmerzen haben?

Zurück zum 1. Teil des Interviews Herz-OP bei Kindern: Was müssen Eltern in den Stunden vor dem Eingriff beachten?

Prof. Dr. med. Felix Berger

Autor: Prof. Dr. med. Felix Berger ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie des Deutschen Herzzentrums Berlin sowie Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Kardiologie am Otto Heubner Centrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Charité Campus Virchow Klinikum in Berlin. Durch die enge Kooperation mit dem durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz für Angeborene Herzfehler kann ein effektiver Wissenstransfer und eine bessere Versorgung der Patienten mit angeborenen Herzfehlern erreicht werden.

(Redaktion: ebe)